Amtsblatt Bruchsal vom 15. Januar 2026
Bruchsaler Delegation in Burkina Faso
Sommerhitze statt Winterkälte, 35° und blauer Himmel, anstatt trübes Dezemberwetter. Das war das Wetter, das die kleine Bruchsaler Delegation in Burkina Faso erwartete. Fünf Tage lang war die Gruppe in dem westafrikanischen Land unterwegs, um bestehende Kontakte zu pflegen und neue aufzubauen. Im Mai 2024 war der Bürgermeister von Dedougou und Präsident der Delegation Speciale, Dieudonne Tougfo nach Bruchsal gereist, um unsere Stadt kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen. Damals unterzeichnete Oberbürgermeisterin a.D. Cornelia Petzold-Schick eine Absichtserklärung zur Anbahnung einer Städtefreundschaft mit Dedougou.
Im Dezember 2025 ergab sich die Möglichkeit eines Gegenbesuchs in Burkina Faso, um zu prüfen, wie eine mögliche Zusammenarbeit aussehen kann.
Gleich am ersten Tag der Reise stand eine Besichtigung der Geburtshilfestation Maternite an, die Prof. Jürgen Wacker auf einem weitläufigen Gelände in Ouagadougou aufgebaut hat. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie zweckmäßig und zugleich ansprechend die Räume eingerichtet sind. Im nächsten Schritt soll der dazugehörige Bloc Operatoire, der OP-Bereich fertiggestellt werden, so dass in Zukunft in der Maternite Kaiserschnittgeburten möglich sein sollen.
Am nächsten Morgen machten uns auf den Weg nach Dedougou. Als Hauptstadt der Region Boucle du Mouhoun hat Dedougou ungefähr 45.000 Einwohner. Die Strecke ist mit 230 km nicht wirklich lang, und es gibt auch eine sehr gut ausgebaute Straße, dennoch brauchten wir über fünf Stunden, bis wir endlich in Dedougou ankamen. Kein wunder – mussten wir doch regelmäßig anhalten, um Schafe, Ziegen, Hühner oder auch Hausschweine die Straße überqueren zu lassen. Gegen Einbruch der Dämmerung erreichten wir Dedougou, wo wir vom König des Gebiets begrüßt wurden, mit einer großartigen Zeremonie und viel Trommelklängen. Danach aßen wir mit dem PDS zu Abend und waren dann dankbar, ins Hotel zu kommen.
Am Mittwoch Morgen wurden wir vor dem Rathaus von Dedougou von PDS Tougfo und dem Stellvertreter des Gouverneurs der Provinz Mouhoun, Babo Pierre Bassinga, begrüßt. Im Anschluss trafen wir die Delegation speciale communale von Dedougou, ungefähr vergleichbar mit unserem Gemeinderat. Es war sehr interessant zu sehen, wie die einzelnen Verwaltungsbereiche mit den entsprechenden Fachleuten besetzt sind, und in welchen Bereichen die Stadt Dedougou auf Wissensaustausch mit der Stadt Bruchsal setzt.
Nach den Gesprächen im Rathaus besuchten wir eine Landwirtschaftsmesse, wo wir die Produkte kennenlernen durften, die in Dedougou angebaut und hergestellt werden. Im Anschluss besichtigte unsere Gruppe ein Schulprojekt, Le Creuset d’Eveil, das von Jean-Eric und Fanta Yanna initiiert wurde. In der Nähklasse zeigten uns die Schülerinnen und auch Schüler stolz ihre genähten Kleider, in der Elektrowerkstatt wurden Solarlampen montiert und die Schreinerklasse baute gerade Trocknungsgitter für den Dörrofen. Das komplette Projekt ist ein großartiges Beispiel für nachhaltige Hilfe und Unterstützung – von der PV-Anlage, die den Strom für die Schulbäckerei liefert bis hin zur Erzeugung von Biogas und Dünger.
Zum Schluss machten wir noch einen Abstecher ins Krankenhaus von Dedougou, wo Prof. Wacker aufs Herzlichste begrüßt wurde. Danach fuhren wir wieder, eskortiert vom Polizeichef und dem Leibwächter des PDS zurück nach Ouagadougou.
Am Donnerstag schon früh am Morgen um 7 Uhr fand sich unsere ganze Delegation auf der Place de la Revolution ein. Dort wurde Prof. Wacker ein Orden für seine Verdienste um die Gesundheit Burkina Fasos verliehen, als einziger Europäer unter 280 Afrikanerinnen und Afrikanern: Chevalier de l’Ordre du merite de la sante et de l’action sociale. Die Zeremonie mit Militärparade war sehr beeindruckend und zog sich über fünf Stunden hin, durchaus herausfordernd bei 35°C.
Direkt im Anschluss wurden wir zur Audienz beim König von Burkina Faso erwartet, dem Moogho Naaba Baong. Im königlichen Palast war es angenehm kühl, eine Wohltat nach der Hitze. Dort erwartete uns noch eine echte Überraschung: zum Dank für seine Verdienste machte der Moogho Naaba Jürgen Wacker ein außerordentliches Geschenk: er überreichte ihm ein Schaf, das wir dann im Kofferraum unseres Autos mitnehmen durften.
Am Nachmittag zeigte Jean-Eric Yanna die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Ouagadougou, unter anderem das Denkmal für Thomas Sankara, den bis heute verehrten Präsidenten.
Abends feierten wir diesen denkwürdigen Tag bei einem leckeren Barbecue bei Dr. Abdoulaye N’Diaye, der vor einigen Jahren im Bruchsaler Krankenhaus gearbeitet hat. Am letzten Tag in Ouagadougou hatte die Delegation noch die Gelegenheit, den deutschen Botschafter zu treffen, der sich über die Bruchsaler Aktivitäten in Kenntnis setzen ließ.
In der Summe war es ein überaus spannender und bereichernder Besuch in Burkina Faso, der viel zu schnell vorüberging.
Beitrag von Annette Mandel